1. Krefeld

Es reicht vorn und hinten nicht

Es reicht vorn und hinten nicht

Immer mehr Zweitjobber: Rund 9.100 Menschen im Kreis Viersen haben neben dem Haupterwerb noch einen Minijob — 35 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG Krefeld-Neuss beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur. Beson

ders verbreitet sind Zweitjobs demnach im Gastgewerbe: 1.080 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche im Kreis Viersen — zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Gegenüber 2007 stieg ihre Zahl um 55 Prozent.

Manja Wiesner, Geschäftsführerin der NGG Krefeld-Neuss, spricht von einem "alarmierenden Trend". "Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen."

Mit Blick auf das Gastgewerbe kritisiert die Gewerkschafterin, die Branche dürfe nicht zur bloßen Minijobber-Domäne werden. "In Hotels, Pensionen und Restaurants brauchen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Aushilfen können auf Dauer keine Fachkräfte ersetzen." Schon heute seien die Klagen über fehlende Köche und Oberkellner groß. Doch die gewinne man nur, indem man gute Löhne zahle.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die NGG Krefeld-Neuss auch bei der Politik. "Wenn laut Arbeitsagentur im Kreis Viersen mittlerweile mehr als jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen", betont Wiesner. Der gesetzliche Mindestlohn sei zwar ein erster wichtiger Schritt gewesen, um extreme Niedriglöhne abzuschaffen. Doch mit derzeit 8,84 Euro pro Stunde liege die Untergrenze zu niedrig, um davon allein als Vollzeit-Beschäftigter etwa eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden.

(StadtSpiegel)